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Glossar · Buchgeschichte und Bibliophilie

Frakturschrift

Die Fraktur ist eine gebrochene Druckschrift, die im deutschen Sprachraum jahrhundertelang vorherrschte.

Begriff erklärt

Was bedeutet Frakturschrift?

Die Frakturschrift ist eine gebrochene Schrift, deren Buchstaben aus geraden, eckig gebrochenen Strichen statt aus runden Bögen aufgebaut sind. Sie war vom 16. bis ins frühe 20. Jahrhundert die vorherrschende Druck- und Schreibschrift im deutschsprachigen Raum und prägt bis heute das Bild historischer Bücher, Urkunden und Zeitungen.

Bedeutung und Einordnung

Der Begriff Fraktur leitet sich vom lateinischen Wort für „gebrochen“ ab und beschreibt das auffälligste Merkmal dieser Schrift. Wo die Antiqua (die heute übliche Schriftform mit runden Formen) weiche Bögen zeigt, wirken die Linien der Fraktur scharf geknickt. Entwickelt wurde die Schrift im frühen 16. Jahrhundert, als für die Druckwerke Kaiser Maximilians I. eine besonders repräsentative Type entstand. Über Jahrhunderte galt Fraktur als die „deutsche Schrift“ schlechthin, während die Antiqua für lateinische und fremdsprachige Texte reserviert blieb. Diese Trennung führte im 19. Jahrhundert zum sogenannten Antiqua-Fraktur-Streit, einer Auseinandersetzung über die Frage, welche Schrift dem Fortschritt und welche der Tradition diene.

Merkmale und Bestandteile

Eine Frakturschrift erkennen Leserinnen und Leser an mehreren typischen Eigenheiten. Die Versalien (Großbuchstaben) sind oft reich verziert und mit Schwüngen versehen, sodass sich einzelne Buchstaben wie das große K oder das große B nur mit etwas Übung sicher lesen lassen.

  • das lange s (ſ), das im Wortinneren wie ein f ohne Querstrich aussieht
  • die feste Unterscheidung zwischen rundem und langem s nach klaren Regeln
  • besondere Ligaturen (verbundene Buchstabenpaare) wie ch, ck oder tz
  • kräftige Schattenstriche im Wechsel mit feinen Haarstrichen

Wer ältere Bücher transkribiert, stolpert häufig über genau diese Eigenheiten, weshalb das Lesen von Frakturtexten heute als eigene kleine Fertigkeit gilt.

Ein konkretes Beispiel

Viele klassische Werke der deutschen Literatur erschienen in ihren Erstausgaben in Fraktur. Die Grimmschen Märchen, die Romane des 19. Jahrhunderts und unzählige Familienbibeln tragen dieses Schriftbild. Das vorläufige Ende der Fraktur als Alltagsschrift kam 1941, als per Erlass die Antiqua zur „Normalschrift“ erklärt wurde. Seither erscheinen neue Bücher fast ausschließlich in runden Schriften, während Fraktur als Zitat von Geschichte, Handwerk und Regionalität weiterlebt, etwa auf Brauerei-Etiketten oder Zeitungsköpfen.

Bezug zum eigenen Buchprojekt

Für ein modernes Buch ist Fraktur als durchgehende Lesetype meist ungeeignet, weil sie das flüssige Lesen verlangsamt und auf vielen Bildschirmen schlecht wirkt. Als gestalterisches Element kann sie jedoch viel leisten. In einer Biografie verleiht eine Frakturzeile auf dem Titel oder über den Kapiteln den Eindruck von Herkunft und gelebter Geschichte. In einem historischen Roman setzt sie eine Epoche schon vor dem ersten Satz in Szene. Auch ein Sachbuch über regionale Traditionen oder altes Handwerk gewinnt durch einen behutsam eingesetzten Frakturakzent an Glaubwürdigkeit.

Ein kurzer Praxis-Tipp

Setzen Sie Fraktur sparsam ein und beschränken Sie sie auf Überschriften, den Buchtitel oder einzelne Schmuckelemente. Den Fließtext sollten Sie in einer gut lesbaren Antiqua belassen. Achten Sie zudem darauf, dass die gewählte Frakturschrift die deutschen Umlaute und das Eszett sauber abbildet, denn manche digitalen Nachbildungen lassen genau diese Zeichen vermissen.

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