Inkunabel
Inkunabel bezeichnet einen mit beweglichen Lettern gedruckten Druck aus der Frühzeit bis zum Jahr 1500.
Was bedeutet Inkunabel?
Als Inkunabel (von lateinisch incunabula, übersetzt etwa Windeln oder Wiege) bezeichnet man einen Druck aus der Frühzeit des Buchdrucks mit beweglichen Lettern, der bis zum 31. Dezember 1500 entstanden ist. Der deutsche Begriff dafür lautet Wiegendruck, weil diese Werke gleichsam aus der Wiege der noch jungen Druckkunst stammen.
Bedeutung und Einordnung
Die Stichtagsgrenze des Jahres 1500 ist eine Konvention der Buchwissenschaft und keine technische Zäsur. Sie hat sich seit dem 17. Jahrhundert durchgesetzt, um die experimentelle Anfangsphase nach Johannes Gutenbergs Erfindung um 1450 von der späteren Massenproduktion abzugrenzen. In diesen rund fünfzig Jahren entstanden europaweit schätzungsweise 28.000 verschiedene Ausgaben. Inkunabeln dokumentieren, wie sich das gedruckte Buch aus der Tradition der handgeschriebenen Handschrift löste und seine eigene Form fand. Für die Buchgeschichte markieren sie damit den Übergang von der mittelalterlichen Schreibstube zur frühneuzeitlichen Druckerei.
Merkmale und Bestandteile
Wer eine Inkunabel in der Hand hält, erkennt sie an mehreren Eigenheiten, die das gedruckte Buch noch eng an seine handschriftlichen Vorbilder binden. Typisch sind folgende Merkmale.
- Kein Titelblatt im heutigen Sinn. Frühe Drucke beginnen oft direkt mit dem Text oder einer knappen Überschrift, dem sogenannten Incipit.
- Das Kolophon am Ende des Bandes nennt Drucker, Ort und manchmal das Datum, da diese Angaben noch nicht auf der ersten Seite standen.
- Handarbeit nach dem Druck. Initialen, Rubriken (rote Auszeichnungen) und Verzierungen wurden vielfach von Hand ergänzt, weil die Pressen nur den schwarzen Grundtext lieferten.
- Frühe Drucktypen ahmen die gebrochenen Schriften der Handschriften nach, etwa die Textura oder spätere Rotunda.
Diese Mischung aus maschineller Vervielfältigung und handwerklicher Nachbearbeitung macht jedes Exemplar zu einem Einzelstück.
Ein konkretes Beispiel
Das bekannteste Beispiel ist die zweiundvierfzeilige Gutenberg-Bibel, gedruckt um 1454 in Mainz. Sie gilt als eines der frühesten umfangreichen Werke aus beweglichen Lettern und steht am Anfang der Reihe. Ein anderes berühmtes Werk ist die Schedelsche Weltchronik von 1493, die mit über 1.800 Holzschnitten zu den am reichsten bebilderten Inkunabeln zählt. Beide zeigen, wie schnell die neue Technik von der schlichten Textwiedergabe zum aufwendig gestalteten Buch reifte.
Bezug zum eigenen Buchprojekt
Für die Arbeit an einem heutigen Manuskript liefert der Blick auf die Inkunabel eine nützliche Erkenntnis. Schon die ersten Drucker dachten über Gliederung, Lesbarkeit und Gestaltung nach, lange bevor es feste Konventionen gab. Wenn Sie eine Biografie schreiben lassen oder einen Roman schreiben lassen, profitieren Sie von genau diesen über Jahrhunderte gereiften Standards. Die klare Trennung von Vorwort, Hauptteil und Anhang, ein durchdachter Satzspiegel und eine konsistente Typografie sind das Ergebnis dieser langen Entwicklung. Ein professionelles Lektorat sorgt dafür, dass Ihr Buch diesen Ansprüchen genügt.
Ein kurzer Praxis-Tipp
Falls Sie selbst alte Drucke sammeln oder ein historisches Werk recherchieren, prüfen Sie das Erscheinungsjahr genau. Ein Druck von 1501 ist streng genommen keine Inkunabel mehr, sondern wird als Postinkunabel oder Frühdruck geführt. Achten Sie außerdem auf das Kolophon am Buchende, weil dort die verlässlichsten Angaben zu Herkunft und Datierung stehen. Wissenschaftliche Bibliotheken verzeichnen Wiegendrucke im internationalen Gesamtkatalog der Wiegendrucke, der eine erste Orientierung erleichtert.
Brücke zur Agentur
Vom handschriftlich ergänzten Wiegendruck bis zum sauber gesetzten Buch von heute zieht sich ein roter Faden. Es geht darum, Inhalt und Form so zusammenzubringen, dass ein Text Bestand hat. Genau hier setzt unsere Arbeit an, wenn wir Autorinnen und Autoren begleiten, die ein Buch schreiben lassen möchten. Wenn Sie Ihr eigenes Projekt planen, finden Sie unter Ablauf die einzelnen Schritte erklärt, und über Kontakt erreichen Sie uns für ein erstes Gespräch.
Verwandte Begriffe
Antiqua
Die Antiqua ist eine an römischen Vorbildern orientierte Druckschrift mit runden, klaren Buchstabenformen.
Kodex
Der Kodex ist die gebundene Buchform aus gefalteten Lagen, die die Schriftrolle ablöste.
Pergament
Pergament ist eine aus Tierhaut hergestellte Schreibfläche, die vor dem Papier als Beschreibstoff diente.
Marginalie
Eine Marginalie ist eine handschriftliche oder gedruckte Randbemerkung am Seitenrand eines Buches.
Exlibris
Ein Exlibris ist ein eingeklebtes Bucheignerzeichen, das den Besitzer eines Buches kenntlich macht.
Frakturschrift
Die Fraktur ist eine gebrochene Druckschrift, die im deutschen Sprachraum jahrhundertelang vorherrschte.
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